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18.10.14

Abschied nehmen


Es fällt immer schwer, etwas das man gerne hat, loszulassen. Wenn es dann auch noch ein kleines Wesen ist, dass zu früh von uns gehen musste, und das auch noch unschuldig, macht es das Ganze noch schwieriger. Ich habe euch doch schon von Louis erzählt. Er war an den Wochenenden oft bei uns, wenn sein Frauchen keine Zeit hatte. Wie haben immer zusammen gebacken, gekocht, geputzt, gespielt, gezeichnet und lagen gemeinsam in der Wanne, auf der Couch und manchmal wenn mein Liebster es nicht sah auch im Bett. 


Er war ein richtiges Wollknäuel. Verpielt und total durchgeknallt. Krabbelte überall rauf, sprang von einem Teil zum Nächsten und liebte Federn über alles. Letzte Woche erst hat er seine allererste Maus gefangen. Er spielte sich so lange damit, bis er genug davon hatte und verspeißte sie anschließend. Let und Lini waren ganz begeistert und sahen auf der anderen Seite des Zaunes gespannt zu. 


Die drei verstanden sich so gut. Es war als hätten wir drei kleine Hunde, oder drei Katzen ;), weil sie immer gemeinsam im Garten spielten, durch die Wohnung flitzten und sich gegenseitig rum jagten. Es war einfach herrlich ihnen zuzusehen, wenn die druch den Garten rannten als wären sie schon ewig zusammen und auch gemeinsam aufgewachsen.
Er liebte es auch sich mit den langen Haaren der Hunde zu spielen. Er lauerte hinter eine Ecke und sprang, wenn sie vorbei gingen auf ihren Schwanz und klammerte sich daran fest. Es wundert mich doch sehr, dass Let und Lini sich das so gefallen ließen. Sie mochten ihn wirklich sehr.
Wenn sich die Hunde dann wieder mal gemeinsam auf ihn stürtzten um ihn zum Spielen zu animieren und es ihm zu viel wurde, krabbelte er immer ganz nach oben auf seinen Kratzbaum und sah den Beiden von oben zu, wie sie darauf warteten bis er wieder runter kam.
Louis liebte auch die Leckerlis die, die Hunde immer zur Belohnung oder auch manchmal einfach nur so bekamen. Also war den Leckiverbrauch die letzten Monate um einiges höher. Aber es machte so viel Freude ihnen zuzusehen, wie sie Schlage standen und bettelten um noch ein kleines Stückchen zu bekommen.
Den Garten liebten sie alle drei so sehr. Aber am meisten liebte Louis die Garage. Meine Schwester hat eine Mitwohnung in einem umgebauten Einfamilienhaus. Deshalb waren in der Garage jede Menge spannender Dinge vom Vermieter gelagert und Louis liebte es zwischen den verstaubten Brettern und Werkzeugen durchzuschleichen.
Er verbauchte oft Stunden darin und kam dann voller Spinnweben wieder raus, wenn man ihm rief oder es ihm zu langweilig wurde. Man konnte ihn auch schon mal für ein paar Stunden alleine draußen lassen, ohne dass er davon lief. Louis war die tollste kleine Miezekatze überhaupt.
Bekommen haben wir ihn von einer lieben Freundin. Als sie mir das Bild von ihm schickte waren wir sofort alle total in ihn verliebt. So ein schnuckeliges, kleines, flauschiges Kätzchen. Weil mein Liebster und ich leider keine Haustiere haben dürfen, kam sie also zu meiner Schwester.
Anfangs waren Let und Lini schon etwas stinkig und dachten sich wohl "Nein, was will der denn jetzt hier? Unsere Mama gehört nur uns!" Die anfänglichen Startschwierigkeiten waren aber schnell verflogen. Bald teilten sie sich den Futternapf und lagen alle gemeinsam auf der Couch oder im Nestchen.
Er war so neugierig und hatte seine Nase echt überall. Er schnupperte und testete alles aus. Es war so witzig als er immer ganz gespannt am Badewannenrand saß und die Pfote ins Wasser tauchte um zu sehen was das denn ist. Was für Katzen ja äußerst ungewöhnlich ist.
Ganz im Gegenteil zu vielen anderen Katzen, liebte Louis es, gemeinsam mit meiner Schwester in die Badewanne zu gehen. Er legte sich bei ihr auf den Brustkorb und chillte gemeinsam mit ihr im warmen Wasser. Nur gut für ihn, dass meine Schwester genau so gerne in die Wanne ging wie er.
Wir haben so viele tolle, lustige und auch manchmal schmerzhafte Momente miteinander erlebt, denn er liebte es auch, sich über die Waden und Oberschenkel bis nach oben auf die Schulter zu krallen. Eine nicht gerade angenehme Angewohnheit von ihm. Da hatte man dann schon mal jede Menge Kratzer auf dem ganzen Körper. Auch die Zehen unter der Decke fing er gerne. Mit einem Satz stürzte er sich darauf und Biss mit ganzer Kraft rein, um das gefährliche Etwas unter der Decke zum Stillstand zu bringen. 

Ich könnte diesen Post noch ewig fortsetzen, aber es wird nichts helfen, denn davon wird er auch nicht wieder lebendig. Am Mittwoch Morgen, als meine Schwester draußen auf der Bank saß, während die Hunde im Garten waren, lief Louis auf der anderen Straßenseite in der Wiese rum. Als sich ein Auto näherte wollte er nach Hause laufen. Er setzte an und rannte los. Meine Schwester sah zu ihm und hoffte, dass er sitzen bleibt. Doch Louis wollte nach Hause rennen und der Autofahrer verlier keinen Gedanken daran zu bremsen, weil ja "nur" eine Katze über die Straße rannte. Meine Schwester sah auch noch dabei zu, wie das Auto ihn mit beiden Rädern überrollte. Der Fahrer hat es mit Sicherheit gemerkt, doch er fuhr einfach weiter. Als wäre nichts gewesen. Als sie es sah, sprang sie auf, rannte hin und schnappte sich Louis sofort um ihn zum Tierarzt zu bringen. Sein Hinterkörper hing nur noch runter. Sie rannte so schnell sie konnte und als sie ihn in die Transportbox legen wollte lief ihm schon das Blut aus dem Mund. Er schrie so laut vor Schmerz. Gerade als sie das Türchen zumachte und ihn runter tragen wollte, macht er seinen letzten Atemzug und schlief für immer ein. Louis wurde nur vier Monate alt und hat, obwohl er nicht lange bei uns war einen ganz festen Platz in unseren Herzen.
Es ist immer noch schwer jetzt darüber zu schreiben. Ich habe Tränen in den Augen und werde immmer noch traurig darüber, dass er aus unserem Leben gerissen wurde und bin extrem verärgert, weil dieser Autofahrer scheinbar absolut kein Herz für Tiere hat. Aber Abschied nehmen ist immer schwer und man muss loslassen können.

Louis wir werden dich nie vergessen. Es war schön, dich bei uns zu haben und werden dich vermissen. Jetzt hat er ein schönes Plätzchen im Garten unserer Eltern. Dort haben wir auch unsere erste Katze begraben. Wir warfen ihm seine geliebten Federn ins Grab und stellten ein Holzkreuz auf. 

Es wird bestimmt viele Leser geben, die es nicht verstehen, warum man um ein so kleines Wesen so trauern kann. Aber die, die genau so denken wie ich, werden mich bestimmt verstehen und meiner Meinung sein.

Martina